16. Juli 2013

Pressemitteilung (9.Juli 2013)

Betroffene stoßen im Alltag immer wieder auf Hindernisse und Einschränkungen

„Aktionsbündnis Barrierefreiheit“ fordert Barrierefreiheit auch für Menschen mit Sprech- und Sprachbehinderungen

 

Mit dieser deutlichen Forderung wendet sich das Aktionsbündnis Barrierefreiheit mit einer groß angelegten Aktion an Abgeordnete des Bundestages sowie die aufgestellten Kandidaten für die kommende Bundestagswahl der einzelnen Parteien. Am heutigen Tag übergibt das Aktionsbündnis Barrierefreiheit den angesprochenen Politikern eine Auflistung der krankheitsbedingten Barrieren sowie einen umfassenden Forderungskatalog zu deren Beseitigung.

In Deutschland gibt es mehr als 12 Millionen Betroffene mit Stimm-, Sprech- und Sprachbehinderungen sowie chronischen Atemwegserkrankungen. Allein 800.000 stotternde Menschen in Deutschland, jährlich 21.000 Neu-Betroffene mit Kehlkopfkrebs, 1.400 Neugeborene mit Lippen-Gaumen-Fehlbildungen sowie 270.000 Neuerkrankte mit Schädelhirntraumata pro Jahr, 6,8 Millionen an COPD-Erkrankte in Deutschland, jedes Jahr 200.000 Menschen mit einem Erst-Schlaganfall sowie 5 bis 7 % der Gesamtbevölkerung, die unter Asthma bronchiale leiden.

Viele dieser Menschen mit Stimm-, Sprech- und Sprachbehinderungen sowie chronischen Atemwegserkrankungen ziehen sich aus dem gesellschaftlichen Leben zurück. Die Gründe dafür können vielfältig sein, in allen Fällen leidet aber die Lebensqualität. Nachvollziehbar ist ein solcher Rückzug aus dem gesellschaftlichen Leben aus gesundheitlichen Gründen. Nicht akzeptabel ist ein Rückzug aufgrund von Einschränkungen durch reale oder empfundene Barrieren. Im Alltag stoßen Betroffene trotz allem immer wieder auf Barrieren und Einschränkungen. In vielen Fällen werden diese Hindernisse nicht mehr als Einschränkung wahrgenommen, da man sich mit der Situation „arrangiert“ hat. Diese Situation ist nach Ansicht des Aktionsbündnisses Barrierefreiheit aber nicht akzeptabel.

Die UN-Behindertenkonvention gilt seit März 2009 auch für die Bundesrepublik Deutschland. Damit besteht für die Bundesrepublik die Verpflichtung, allen behinderten Menschen eine gleichberechtigte Teilhabe an Arbeit, Beruf und Gesellschaft zu ermöglichen. Die Bundesregierung hat mit der geeigneten Umsetzung der Konvention begonnen und im Jahr 2011 einen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Behindertenkonvention verabschiedet, welcher eine Reihe von beabsichtigten Maßnahmen, die der Verbesserung der Lebenssituation von Menschen mit Behinderung dienen sollen, enthält. Barrierefreiheit gilt in fast allen Bereichen des täglichen Lebens, neben dem Bau-, Verkehrs- und Straßenwesen auch in den Bereichen Kultur, Freizeit und Tourismus sowie Kommunikation.

Für Betroffene mit Stimm-, Sprach- und Sprechstörungen und chronischen Erkrankungen der Atemwege hat die Barrierefreiheit eine beachtliche Bedeutung.

In dem Aktionsbündnis Barrierefreiheit haben es sich sechs Verbände von Betroffenen mit Stimm-, Sprechund Sprachbehinderungen sowie chronischen Atemwegserkrankungen zur Aufgabe gemacht, auf Barrieren aufmerksam zu machen, die ihren Mitgliedern tagtäglich begegnen, und deren Beseitigung zu fordern. Unter Federführung des Bundesverbandes der Kehlkopfoperierten e.V. zeigen die teilnehmenden Verbände auf, dass es auch durch Einschränkungen der Kommunikation aufgrund von Krebserkrankungen, angeborenen Fehlbildungen, Aphasien oder chronischen Atemwegserkrankungen zu erheblichen Beeinträchtigungen im Alltag kommen kann.

So kann es Betroffenen aufgrund ihrer eingeschränkten Kommunikationsmöglichkeiten im Notfall unmöglich sein, telefonisch Hilfe zu rufen. Im Hinblick auf die UN-Behindertenrechtkonvention, so Werner Kubitza, Präsident des Bundesverbandes der Kehlkopfoperierten, sei es nicht nachvollziehbar, dass diese Barrieren von den betroffenen Menschen weiter hingenommen werden müssten. Mit Spannung sehe er den Reaktionen auf das Schreiben des Aktionsbündnisses entgegen. Die Mitglieder des Aktionsbündnisses seien jederzeit bereit, Fragen zu beantworten, aber auch der Politik die Schwierigkeiten aus Sicht eines Betroffenen persönlich zu schildern.

Kontakt:
Bundesverband der Kehlkopfoperierten e.V.
Geschäftsstelle: Silke Fösges
Thomas-Mann-Straße 40
53111 Bonn
Tel.: 0228-33889304
foesges@kehlkopfoperiert-bv.de
www.kehlkopfoperiert-bv.de