14. Juli 2011

» Apotheken fordern Aufklärung im Lieferskandal / Becker: "Händler spielen mit der Gesundheit der Menschen"

(Berlin) - Nach den Durchsuchungen im Umfeld von Herstellern und Händlern fordert der Deutsche Apothekerverband (DAV) drastische Konsequenzen. "Einige Groß- und Zwischenhändler haben sich anscheinend vom Weg einer sicheren Arzneimittelversorgung verabschiedet. Diese Händler spielen mit der Gesundheit der Menschen", sagt DAV-Vorsitzender Fritz Becker. Der Verband fordert ein hartes Durchgreifen von Ermittlungsbehörden und Justiz. "Wir Apotheker halten nichts von diesen intransparenten und unseriösen Geschäftspraktiken. Dem muss Einhalt geboten werden."

Im Zentrum der Ermittlungen stehen dubiose Geschäfte mit Arzneimitteln, die zwischen Herstellern und diversen Zwischen- und Großhändlern gehandelt werden. Becker: "Hoch wirksame Arzneimittel werden anscheinend hin und her verschoben. Das zerstört die klare und unmissverständliche Lieferkette. Es geht den Händlern um totale Gewinnmaximierung - an Gesetzgeber und Kontrollinstanzen vorbei. Aus dem besonderen Gut Arzneimittel wird dadurch Ramschware. Das ist inakzeptabel und kann für Patienten und Verbraucher gefährlich werden", so Becker.

Problematisch: Immer mehr Apotheker bekommen die Macht der Pharmagroßhändler zu spüren. In Deutschland dominieren fünf Handelsfirmen etwa 90 Prozent des Arzneimittelmarktes. "Die Apotheken sind zunehmend diesen mächtigen Händlern ausgeliefert. Deshalb ist es umso wichtiger, Arzneimittel und Lieferwege sicherer zu machen", fordert Becker. "Der DAV unterstützt deshalb die Initiativen der EU und der Bundesregierung, die Arzneimittelsicherheit voranzubringen. Wir brauchen mehr Sicherheit für die Patienten und auch für uns Apotheker. Der Schlüssel hierfür ist die Authentifizierung von Arzneimitteln. Ziel muss es sein, Arzneimittel absolut fälschungssicher zu machen."

3. Juli 2011

Viele Krankenkassen sparen zu viel

Viele gesetzliche Krankenkassen sparen an der falschen Stelle, kritisiert eine Bundesbehörde. Grund dafür sei der zunehmende Sparzwang und die Angst vor einer Mitgliederflucht, falls die Beiträge steigen. BerlinEinige Krankenkassen überziehen nach Ansicht des Präsidenten des Bundesversicherungsamts, Maximilian Gaßner, bei ihren Sparbemühungen. Im Vergleich zu den Zeiten vor dem Gesundheitsfonds hätten die Kassen „ein deutlich geschärftes Kostenbewusstsein“, sagte Gaßner der „Berliner Zeitung“. Gerade um Zusatzbeiträge zu vermeiden, drehten sie jeden Euro zweimal um, bevor sie ihn ausgäben. „Wir können feststellen, dass die Krankenkassen an der einen oder anderen Stelle sparen, wo es vernünftiger wäre, wenn sie bestimmte Ausgaben tätigen würden“, sagte Gaßner. Als Beispiele nannte der BVA-Präsident Ausgaben für Leistungen zur Krankheitsvorbeugung sowie für sogenannte Selektivverträge. Bei diesen können Kassen mit Ärzten oder anderen Leistungserbringern bestimmte Behandlungen oder Therapien aushandeln, die über die normalen Kassenleistungen hinaus gehen.
Gaßner kritisierte zugleich, die Zusatzbeiträge seien noch nicht so in Schwung gebracht worden, dass sie ein effektives und realistisches Wettbewerbsinstrument seien. Im Moment träfen die Versicherten vor allem die Unterscheidung zwischen Kassen mit und ohne Zusatzbeitrag.

„Das löst eine starke, aber falsche Reaktion aus“, sagte der Experte. Für jemanden, der regulär 300 Euro in die Krankenversicherung einzahle, stiegen die Kosten mit einem Zusatzbeitrag von acht Euro pro Monat aber nur gering. Dies werde von den Versicherten jedoch so nicht wahrgenommen. Die Folge sei eine Mitgliederflucht.
Er bekräftigte zugleich, er sehe trotz der guten Konjunktur keinen Spielraum für eine Senkung der Kassenbeiträge. Ungeachtet des prognostizierten Anstiegs der Reserve des Gesundheitsfonds auf 6,9 Milliarden Euro gebe es nichts zu verteilen. Zwei Milliarden Euro würden für die Härtefallregelung bei den Zusatzbeiträgen und drei Milliarden Euro für die gesetzliche Rücklage benötigt. Aus dem Jahr der Finanzkrise 2009 werde zudem ein Defizit von 2,48 Milliarden Euro mitgeschleppt, das bereinigt werden müsse.

In den Fonds fließen die Beitragseinnahmen wie auch Steuergelder und werden von dort an die Kassen
verteilt. Kommen Kassen mit den Zuweisungen nicht aus, müssen sie Zusatzbeiträge von ihren Mitgliedern erheben.

Quelle: Handelsblatt

2. Juli 2011

30-Jahrfeier des Landesverbandes der Kehlkopflosen

Flyer downloaden
Am 25. Juni 1981 wurde in einer ausserordentlichen Mitgliederversammlung Günter Debusmann zum 1. Vorsitzenden des Landesverbandes der Kehlkopflosen in Niedersachsen gewählt. Nach dem Beginn mit 58 Kehlkopflosen hat der Verband heute ca. 500 Mitglieder in Niedersachsen (seit 2009 mit Bremen). Die dominierenste Gruppe war zu Beginn der Ortsverein Göttingen, der bereits seit 1977 bestand und mit 40 Mitgliedern dem Landesverband beitrat. Als Mitglied dieser Gruppe leistete Peter Pfannmöller hervorragende Aufbauleistung im neuen Landesverband. Als Sprachtherapeut und Selbstbetroffener hatte er natürlich maßgeblichen Anteil am Aufbau der Stimmtherapie-Abteilung an der damaligen Klinik Deisterhort. Wir feiern unseren 30.ten Jahrestag am 16. Juli 2011, den Einladungsflyer könnt ihr hier downloaden.

8. Juni 2011

Vorsicht beim Vorkasse-Tarif

Gesundheitsreform in Kraft getreten
Mit dem Tarif Vorkasse verspricht Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP)den Kassenpatienten mehr Freiheit. Doch Vorsicht: Wer beim Arztbesuch Vorkasse wählt, muss für diese Freiheit teuer bezahlen. Mit Beginn des Jahres steigen die Beiträge für Arbeitnehmer und Arbeitgeber ohnehin jeweils um 0,3 Prozent.

Dieses Päckchen hatte Philipp Rösler in letzter Sekunde auf den Gabentisch seiner Gesundheitsreform geschoben. Verpackt als Kleinigkeit jubelte der liberale Gesundheitsminister den Versicherten der Gesetzlichen Krankenkassen die Wahl zwischen Vorkasse und Sachleistung unter.

Vorkasse ist das Prinzip der Privaten Krankenversicherung (PKV). Der Mensch geht zum Arzt, bekommt eine Rechnung, bezahlt und lässt sich die Kosten von der Versicherung erstatten. Die Gesetzliche Krankenversicherung funktioniert nach dem Prinzip Sachleistung. Der Mensch geht zum Arzt, und der Arzt bekommt sein Geld über die Kasse.

Nach Wunsch
Vom 1. Januar an können auch gesetzlich Versicherte eine Rechnung vom Arzt erhalten, wenn sie den Tarif Kostenerstattung wählen. Das ist nicht ganz neu, aber nun einfacher. Wer bislang das Prinzip Vorkasse wählte, war ein Jahr daran gebunden. Nun sind es nur noch drei Monate. Bisher mussten Ärzte ihre Patienten über die Folgen dieser Entscheidung aufklären und sich dies von ihnen schriftlich bestätigen lassen. Diese Pflicht entfällt.

Die Wahlfreiheit entpuppt sich bei genauerem Hinsehen als böse Falle. Bei Vorkasse rechnet der Arzt den höheren privaten Tarif ab und die Kasse erstattet nur den gesetzlichen. Nach den Erfahrungen der Kassen bleiben die Patienten auf fast zwei Dritteln ihrer Kosten sitzen. Gesetzlich Versicherte sollten sich das Rösler-Geschenk genau anschauen, bevor sie es auspacken. Gesundheitsexperten sehen darin vor allem eine Gabe an Ärzte und private Versicherer und raten Mitgliedern der gesetzlichen Krankenkassen ab.

Der Minister dagegen versteht die Aufregung nicht. Die Entscheidung für oder gegen Vorkasse sei freiwillig. Laut Rösler schaffe das Prinzip mehr Transparenz und könne Kosten senken. Patienten sollen anhand der Rechnung selbst prüfen, welche Behandlung notwendig ist und welche nicht.

Eine Logik, über die Vertreter der gesetzlichen Kassen staunen. Gerade bei den privaten Kassen explodieren seit Jahren die Kosten - trotz (oder wegen?) der Vorkasse. Welche Behandlung bezahlt wird, handeln Experten der gesetzlichen Kassen, Ärzte und Krankenhäuser aus. Kassenvertreter bezweifeln, dass ein Patient mit akutem Blinddarm oder schmerzhafter Zahnwurzelentzündung abwägen kann, welche Behandlung die richtige ist. Da die medizinischen Kenntnisse vieler Menschen nicht sehr weit reichen, muss die große Mehrheit wohl auch in Zukunft darauf vertrauen, dass der Arzt die richtige Wahl trifft - Vorkasse hin oder her.

Nach oben offen
Mit der Reform ändert sich auch der Beitragssatz. Zum 1. Januar 2011 steigt er für Arbeitnehmer von 7,9 auf 8,2 Prozent, und für Arbeitgeber von 7 auf 7,3 Prozent. Dabei soll es in Zukunft bleiben. Kommt eine Kasse mit den Beiträgen nicht aus, müssen die Versicherten alleine das Loch mit einer Kopfpauschale stopfen. Dabei sind den Kassen nach oben keine Grenzen gesetzt. Wie hoch diese Pauschale klettert, hängt von den steigenden Kosten der Kasse ab.

Zwar hat die Bundesregierung einen Sozialausgleich eingebaut, wenn die Pauschale zwei Prozent des beitragspflichtigen Einkommens übersteigt. Entscheidend ist dabei aber nicht, wie hoch die Pauschale der eigenen Kasse ist, sondern der Durchschnitt aller Kassen. Wer Pech hat, zahlt mehr als zwei Prozent, weil die Pauschale seiner Kasse über dem Durchschnitt liegt. Glückspilze könnten aber auch einen Ausgleich bekommen, obwohl sie selbst gar keine Pauschale zahlen. Fazit: Die "Rösler-Geschenke" sind zwar vom Umtausch ausgeschlossen. Patienten müssen aber nicht jedes annehmen. 
  
Quelle: IG Metall

6. Juni 2011

Neue Internetpräsens der Kehlkopfoperierten Nds./Bremen

Demnächst geht die neue Internetpräsens des Landesverbandes der Kehlkopfoperierten Niedersachsen/Bremen online.

Diese wurde grafisch und redaktionell an die heutigen Nutzerbedingungen angepasst und ist im Design farblich einheitlich gestaltet, so dass der Benutzer sich schnell darin zurechtfinden wird.

Themen für Menschen die an Krebs erkrankt sind sowie Hilfestellungen und Kontaktgruppen, die beim Austausch der entstehenden Fragen mit Rat und Tat zur Seite stehen sind genauso angegeben wie Erfahrungsberichte und andere Hilfestellungen.

Wer mit diesem Krankheitsbild konfrontiert wird, kann sich über die Seite mit dem Bundes- sowie den Landesverbänden und den vielen Selbsthilfegruppen in Verbindung setzten, hier wird einem auf jeden fall weitergeholfen. Am besten man organisiert sich in einem der Gruppen im Bundesverband.
Der Link der Internetpräsens kann hier aufgerufen werden www.kehlkopfoperiert.de

6. April 2011

Verabschiedung Dr. Borghardt

Das Krankenhaus – sein Lebenswerk. (hzs)
„Wir hatten damals freie Hand bei der Umsetzung einer Vision. Genau das hat uns gereizt“, erinnert sich Dr. Jürgen Borghardt, Chefarzt der „Rehabilitationsklinik Bad Münder“.
Zusammen mit Dr. Ernst Jürgen Kirchertz war er vor 25 Jahren aus Göttingen an den Deisterhang gekommen, um aus der reinen Nachsorgeeinrichtung „Deisterhort“ ein modernes Akut-Krankenhaus zu machen. Das trägt seit 1986 den Namen „Deister-Süntel-Klinik“ und wird nicht nur von Bürgermeisterin Silvia Nieber liebevoll „das Stadtkrankenhaus“ genannt. In dessen Vortragssaal wollte jetzt bei Borghardts Verabschiedung in den Ruhestand die Reihe der Gäste aus Medizin, Politik, Kultur und Wirtschaft kein Ende nehmen. Wie Landrat Rüdiger Butte und Bürgermeisterin Nieber waren sie alle gekommen, um dem 63-Jährigen aus Kiel stammenden passionierten Segler, Ex-Marineoffizier, Skifahrer und Glaskunstexperten ihre Anerkennung für sein Lebenswerk zu zollen. Ebenso lang wie die Gästeliste ist die der Verdienste Borghardts um den Gesundheitsstandort Bad Münder, vor allem aber um die als Folge einer Krebserkrankung Kehlkopfoperierten. Deren Bundesverbands- vorsitzender, Werner Kubitza, hob das von Borghardt in den 80er Jahren konzipierte „Münderaner Therapiemodell“ hervor, ein standardisiertes Behandlungskonzept zur Stimmanbahnung bei kehlkopflosen Patienten. Dessen Erfolg löste seinerzeit eine enorme Nachfrage aus und führte letztlich 1987/88 zur Klinikerweiterung für den Bereich Rehabilitation. Logisch-analytischer Denker, dynamischer Macher, Mann mit Empathie – so einige Charakterbeschreibungen des ausscheidenden Mediziners in den nicht weniger als sieben Grußworten. Auch Kirchertz erinnerte in einer launigen und zugleich ernsten Reminiszenz an einige der medizinischen Meilensteine, die Borghardt und er am Deisterhang gesetzt haben. Ob in Medizin und Klinikführung, in der Verbandsarbeit im von ihm mitbegründeten onkologischen Arbeitskreis Hannover oder in Geschäftsführung und Verwaltung, Borghardt habe stets Maßstäbe gesetzt, so auch die Vertreter des Trägers, der Geschäftsführer der Awo-Gesundheitsdienste, Volker Behncke, und der Vorsitzende des Aufsichtsrates Axel Plaue.
„Ich bin ja nicht ganz weg“, erlärte Borghardt angesichts von so viel Lob. Wen wundert es, dass der scheidende Reha-Chef auch im Ruhestand noch weiter mitmischen wird. „Meine künftigen Aufgaben liegen in der Akut-Abteilung der Onkologie und im Geschäftsführungsbereich“, kündigte er an. In der Reha allerdings schwingt künftig ein Frauenteam unter der Leitung der bisherigen Oberärztin Dr. Barbara Koller das Zepter. „Frauen sind in der Medizin sowieso auf dem Vormarsch“, erklärte die Mutter von zwei Kindern und gelernte Internistin, die nach Studium und Assistenzarztzeit in Göttingen sowie einer Tätigkeit im hessischen Neukirchen bereits von April 1998 bis März 2006 in Bad Münder tätig war, dann in Bad Oeynhausen Erfahrungen sammelte und im November des vergangenen Jahres an die Reha-Klinik zurückkehrte. Neben ihrem Fachbereich, der Onkologie, wird Koller sich auch so mancher durch die Auswirkungen der Gesundheitspolitik verursachten Herausforderung stellen müssen. Dabei setzt sie wie ihr Vorgänger auf ein harmonisch zusammenarbeitendes Team.
Quelle: NDZ vom 1. 4. 2011