20. Juni 2010

Patienten wollen besser aufgeklärt werden

Patienten fühlen sich von Ärzten nicht ausreichend informiert. Nach einer Studie der Techniker Krankenkasse (TK), die in Berlin vorgestellt wurde, gaben mehr als 60 Prozent der Befragten an, dass ihr Arzt sie nicht über Behandlungsalternativen aufkläre und nach ihrer Meinung frage. Etwa jeder fünfte Patient wünscht sich eine bessere Aufklärung durch den Arzt. Patienten sollten besser bei den Entscheidungen zu den bevorstehenden Therapien und Behandlungen einbezogen werden Beinahe die Hälfte der Befragten sagte, dass ihr Arzt ihnen selten oder nie die Behandlungsziele erkläre.
Es dauert oftmals lange, bis man den richtigen Arzt gefunden hat. Bei vielen Ärzten herrscht ein regelrechter "Durchgangsverkehr". Da bleibt kaum Zeit für ein eingehendes Gespräch zwischen Arzt und Patient. In vor allem großen Arztpraxen nehmen sich viele Ärzte kaum Zeit für ihre Patienten und geben oft keinen transparenten Einblicke zu den anstehenden Behandlungen. So gaben rund 60 Prozent der Befragten an, dass sie nicht genügend über Alternativen möglicher Therapien aufgeklärt werden. "Nicht immer treffen sich Arzt und Patient auf gleicher Augenhöhe", so der Leiter der TK-Krankenkasse, Norbert Klusen. Etwa 40 Prozent der Befragten gaben zudem an, dass sie nicht genügend über mögliche Nebenwirkungen von Arzneien aufgeklärt werden. Insgesamt seien jedoch 95 Prozent der Patienten "unterm Strich" mit ihrem Arzt zufrieden. Wenn Patienten länger bei dem Arzt in Behandlung sind, wächst auch die Zufriedenheit, so die Studien-Ergebnisse.
Rund 1000 Personen wurden für die Studie am Telefon befragt. Im Vergleich mit Kanada, Australien, den USA, Großbritannien und Neuseeland bekam das deutsche Gesundheitswesen insgesamt gute Noten, insbesondere was den Zugang zu medizinischen Leistungen und die Versorgung chronisch Kranker betrifft. Neun von zehn der Befragten gaben an, im letzten halben Jahr beim Arzt gewesen zu sein, beinahe jeder zweite sogar innerhalb der letzten vier Wochen.
Trotz der allgemeinen Zufriedenheit erklärte fast ein Viertel der Befragten, dass sie widersprüchliche Informationen von verschiedenen Ärzten oder anderen im Gesundheitswesen Beschäftigten erhielten. Fast 40 Prozent gaben an, dass ihr Arzt sie selten oder nie über Nebenwirkungen der von ihnen eingenommenen Medikamente aufgeklärt habe. Jeder Fünfte beklagte, von seinem Arzt nicht in dem Maße informiert und in Entscheidungen eingebunden zu werden, wie er es möchte.
Die TK kritisierte den Mangel an Information für die Patienten. "Insbesondere die Punkte Kommunikation und Einbindung in Entscheidungen prägen das Bild, das Patienten von ihrem Arzt haben", erklärte Frank Verheyen, Leiter des Wissenschaftlichen Instituts der TK für Nutzen und Effizienz im Gesundheitswesen (WINEG), das die Studie erstellte. Auch der Behandlungserfolg hänge wesentlich davon ab, ob der Patient seinen Therapieplan gemeinsam mit dem Arzt entschieden habe und die einzelnen Schritte mittrage.
Ein weiteres Ergebnis der Umfrage lässt zudem aufhorchen. Etwa 50 Prozent der Befragten gaben an, "chronisch krank" zu sein. Für die Krankenkasse sei dies ein Hinweis darauf, dass eine hohe, sog. Anspruchshaltung gegenüber den Ärzten besteht. Es könnte aus unserer Sicht jedoch auch so sein, dass die Behandlungsformen nicht ausreichend sind und der Kern der Erkrankung nicht ergründet werden konnte. Wenn etwa 60 Prozent der Befragten bemängeln, nicht genügend über mögliche Alternativen aufgeklärt zu werden, könnte hier ein Zusammenhang bestehen.
In diesem Zusammenhang weist die Krankenkasse auch darauf hin, dass die Bundesbürger zu oft zum Arzt gehen. Rund die Hälfte der Studienteilnehmer gaben an, in den letzten vier Wochen mindestens einmal beim Arzt gewesen zu sein. Etwa 90 Prozent der Befragten gaben an, in dem letzten halben Jahr beim Arzt gewesen zu sein. Das könnte natürlich auch ein Hinweis darauf sein, dass die Beratung beim Arzt zu knapp und zu in-transparent war.

Vor kurzem hat die AOK einen sog. Arzt-Navigator ins Netz gestellt. AOK-Patienten können online ihren Arzt bewerten und etwa 30 Fragen beantworten. Dadurch sollen Patienten einen besseren Überblick erhalten, welcher Arzt sich für Behandlungen genügend Zeit nimmt und wie lange die Wartezeiten waren.